unternehmensjurist Ausgabe 6/2025
Tech-Compliance
Warum Unternehmen nicht auf den Digitalen Omnibus warten sollten
Liebe Kolleginnen und Kollegen!
schon neigt sich das Jahr 2025 dem Ende zu. Im vergangenen Jahr habe ich an dieser Stelle unter anderem über die Präsidentschaftswahlen in den USA und das Auseinanderfallen der Ampelregierung berichtet. Das scheint schon sehr lange her zu sein …
Dieses Jahr mussten wir alle unsere Unternehmen zu diversen US-Fragestellungen beraten. In meiner Eröffnungsrede beim diesjährigen Unternehmensjuristenkongress habe ich sicherlich ein Dutzend Varianten davon aufgezählt, wie fast alle Unternehmen in ihrem Geschäft mittelbar oder unmittelbar von den USA abhängen werden (und sei es nur über den Dollarkurs). Die Themen Zölle, DE&I, EU-Digitalpolitik und ESG waren in diesem Zusammenhang die am heißesten diskutierten Themen des Jahres 2025.
Parallel zur Entwicklung in den USA sind wir in Deutschland im dritten Jahr der Stagnation – ein Tiefpunkt. Wir tun in den Unternehmen viel, um mit innovativen Geschäftsmodellen wieder neues Wachstum zu generieren. Das wird aber nur gelingen, wenn wir politisch endlich (!) die erforderlichen Strukturreformen umsetzen und einen echten Durchbruch beim Bürokratieabbau schaffen.
Die schwarz-rote Regierung hat sich hierzu viel vorgenommen. Ich sehe allerdings bisher nur wenige Fortschritte – letztlich, weil sich auch diese Regierungskoalition nicht einig ist. So wird schon Anfang 2026 offenbar werden, ob die reformierte CSDDD (europäische Lieferkettenrichtlinie) eins zu eins in einem reformierten LKSG (Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz) umgesetzt werden wird. Leider höre ich dazu schon jetzt aus den Parteien der Regierungskoalition unterschiedliche Aussagen. Und vertrauen Sie bitte den Überschriften nicht! Da wird sicherlich wieder laut zu vernehmen sein, dass das LKSG abgeschafft wurde. Darauf wird es aber nicht ankommen, sondern darauf, was im geplanten Nachfolgegesetz („Gesetz zur Unternehmensverantwortung“ o.ä.) stehen wird.
Zuversichtlicher stimmt mich aber die Arbeit in den Rechtsabteilungen und bei uns im Verband: In den Rechtsabteilungen sehen wir echte Fortschritte in Sachen KI. Der Einsatz von LLMs (Large Language Models) führt dazu, dass Recherchen deutlich schneller und präziser werden. Auch bei komplexen Vertragsprüfungen werden uns sehr gute Ergebnisse geliefert. Wir können in Transaktionen Datenmengen verarbeiten, mit denen sich früher noch sehr viele Juristinnen und Juristen in Handarbeit befassen mussten.
Der Verband freut sich über ein weiteres Mitgliederwachstum und rund 100 Veranstaltungen in diesem Jahr. Bei unserem Jahreshighlight, dem UJK, konnten wir doppelt so viele Teilnehmer begrüßen wie in den Jahren zuvor. Im nächsten Jahr wird unsere neue Repräsentanz in Brüssel ihre Arbeit aufnehmen und wir dürfen das Legal-AI-Unternehmen Harvey als weiteren Förderpartner im Verband begrüßen. Eine hervorragende Entwicklung!
Ich wünsche Ihnen und Ihren Lieben eine möglichst ruhige Weihnachtszeit und einen guten Start ins Jahr 2026!
Herzliche Grüße
Ihre Claudia Junker

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