unternehmensjurist Ausgabe 03/2026

Überregulierung, Behördendschungel, KI-Implementierung
Mit Standards die Herausforderungen managen

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

in diesem Editorial kann ich gleich mit zwei erfreulichen Entwicklungen aufwarten:

Zunächst hat am 1. April unsere EU-Repräsentanz in Brüssel unter der Leitung von Jan Bremer ihren Betrieb aufgenommen. Wir freuen uns darüber, das „House of German Business, Industries and Employers“ zu verstärken. Denn in Brüssel ist man nur gemeinsam stark. Daher werden wir in diesem Haus fortan mit dem BDI, dem BDA sowie weiteren Wirtschaftsverbänden direkt auf der europäischen Ebene unseren Beitrag für schlanke, verhältnismäßige und praxisorientierte europäische Regelwerke leisten. Der Zeitpunkt dafür ist gut gewählt: Während in der vergangenen Legislaturperiode in Europa noch der Green Deal das dominierende Thema war, der von einem Mehr an Verhaltens- und Berichtspflichten für Unternehmen geprägt war, schlägt das regulatorische Pendel derzeit in die entgegengesetzte Richtung.

Seit den Berichten von Enrico Letta und Mario Draghi zum Zustand des europäischen Binnenmarktes und zur Wettbewerbsfähigkeit der EU wird darüber diskutiert, wie bürokratische Hürden abgebaut und Unternehmen unterstützt werden können, um Innovation und wirtschaftliches Wachstum zu fördern. Einiges ist bereits angestoßen und auf den Weg gebracht. Ein Beispiel dafür sind die Omnibus-Legislativverfahren seit Jahresbeginn, die auf Vereinfachungen unter anderem bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung, der Digital- und Tech-, aber auch der Produkt- und Chemikalienregulierung abzielen und darüber hinaus Investitionen erleichtern wollen.

Auch in Berlin entwickeln wir uns weiter. Unser Team dort hat Ende Juni neue Büroräume im „Haus der Deutschen Wirtschaft“ bezogen. Auch hier werden wir durch die neue Location unseren Dialog mit dem Berliner Politikbetrieb auf eine neue Ebene stellen. Diese Chance wollen wir nutzen, denn die rechtspolitischen Pläne der Bundesregierung im Wirtschafts- und Gesellschaftsrecht, die sich auf die Unternehmensrechtsabteilung auswirken werden, sind umfangreich. Hier ist die Praxis-Perspektive und Expertise des BUJ gefragt.

Für den rechtspolitischen Dialog bietet unser Unternehmensjuristenkongress 2026 erneut eine ausgezeichnete Gelegenheit. Neben Bundesjustizministerin Stefanie Hubig erwarten wir die Mitglieder des Rechtsausschusses aus der Unionsfraktion, der SPD und der Grünen sowie einen Vertreter der FDP. Ich freue mich auf inspirierende Gespräche, spannende Diskussionen und auf ein persönliches Wiedersehen mit Ihnen im September in Berlin!

Herzliche Grüße
Ihre Claudia Junker

unternehmensjurist Ausgabe 03:2026

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Neue EU-Repräsentanz des BUJ: Warum der BUJ nach Brüssel geht

Seit dem 1. April ist der BUJ mit einer eigenen Repräsentanz in Brüssel vertreten – im BDI BDA House of German Business Industries and Employers, mitten im Europa-Viertel. Leiter der Repräsentanz ist Jan Bremer, der zuvor das EU-Verbindungsbüro des Deutschen Aktieninstituts in Brüssel führte. Er und BUJ-Geschäftsführer Dr. Patrick Otto schildern, warum der BUJ jetzt nach Brüssel geht, welche Themen auf der Agenda stehen und wie die Zusammenarbeit zwischen Berlin und Brüssel künftig aussehen soll.

Neue Leitung: Die Fachgruppe Corporate hat gewählt

Im März 2026 fand in der Fachgruppe Corporate die turnusgemäße Wahl der Fachgruppenleitung statt. Das neue Leitungsduo besteht aus Dr. Jan Christoph Pfeffer (Syndikusrechtsanwalt bei der Deutschen Telekom AG) und Dr. Sven Weber (Head of Corporate + New Business Divisions bei TRUMPF). Wir gratulieren herzlich und freuen uns auf die zukünftige Zusammenarbeit.

Bericht aus Brüssel: Hinweisgeberschutz, Nachhaltigkeitsberichtsstandards, EU-Anti-Geldwäsche

Jan Bremer

Zum 1. April 2026 öffnete die neue Repräsentanz des BUJ in Brüssel ihre Türen. Damit rückt der Verband noch näher an die EU-Gesetzgebung. Welche Neuerungen es aus Brüssel gibt und wie sich der BUJ positioniert, berichtet der neue Leiter.

Coming soon: BUJ-Summits im zweiten Halbjahr 2026

Die BUJ Summits sind als ganztägige Fortbildungsveranstaltungen auf konkrete juristische Fachgebiete fokussiert. Hier lernen Unternehmensjuristinnen und -juristen fachliche Expertise von hohem Niveau und können darüber hinaus wertvolle Kontakte untereinander knüpfen.

Schwerpunkt

Navigate uncertainty: Mit Standards gegen den Regulierungssturm

Inga Tanzmann und Dr. Hans-Christian Woger

Die Europäische Digitalindustrie ist mit einem Dilemma konfrontiert: Sie steht mehr als jede andere Industrie für die Hoffnung neuen Wirtschaftswachstums. Zugleich prägen zig Gesetze und Regulierungsbehörden den digitalen Binnenmarkt. Moderne Rechtsabteilungen wie die von Zalando zeigen, wie man den Regulierungstsunami im Unternehmen bändigt.

AI Governance mit Entscheidungsbaum: Wie ALDI DX KI-Prüfungen und -Freigaben skaliert

Hendrik Stangier

Die internationale IT-Geschäftseinheit der ALDI SÜD Unternehmensgruppe hat eine zentrale Stelle zur Prüfung und Freigabe von KI-Systemen und Use Cases der Gruppe aufgebaut. Das Ergebnis: kürzere Durchlaufzeiten, einheitliche Standards und eine spürbar entlastete Rechtsabteilung.

Recht in der Praxis

Kennzeichnungspflichten nach der KI-VO: Was sind Deepfakes? Wie muss man sie kennzeichnen?

Philipp Müller-Peltzer und Simone Rosenthal

Die KI-VO regelt Transparenz- und Kennzeichnungspflichten für bestimmte KI-Systeme und KI-generierte Inhalte. Die Verordnung erfasst jedoch nicht jede Verwendung von KI, sondern knüpft an bestimmte Konstellationen an. Besonders deutlich wird das bei Deepfakes. Darauf müssen Unternehmen jetzt achten.

Covenant-Management und Refinanzierung: Handlungsspielräume für Unternehmensjuristen

Stefan Lengermann und Marc T. Zimmermann

In einem volatilen Marktumfeld wächst der Druck auf Unternehmen, Finanzierungsverträge einzuhalten. Verstöße gegen Covenants, also vertragliche Nebenabreden und Zusicherungen in Kredit- oder Anleiheverträgen, und ihre Folgen gilt es zu vermeiden. Covenant-Management wird in Unternehmen heute zu einer zentralen Daueraufgabe. So erkennen Unternehmensjuristen Risiken und verhandeln erfolgreich mit Finanzierern.

Zeitenwende in der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie: So gelingt die Finanzierung

Dr. Jan-Alexander Lange und Dr. Christoph Goller

Verteidigungsaufträge versprechen Wachstum. Doch wer als Industrieunternehmen in den Defense-Sektor einsteigt, stößt häufig auf unerwartete Hürden im bestehenden Finanzierungsportfolio. ESG-Klauseln, Change-of-Business-Regelungen und regulatorische Besonderheiten können Kreditverträge plötzlich zum Risikofaktor machen. Unternehmensjuristen müssen die Finanzierung frühzeitig mitdenken.

Management & Karriere

Intern steuern, extern umsetzen: Die Zusammenarbeit mit Auslands-Kanzleien richtig gestalten

Dr. Antonios Donou und Michail Pilios

Unternehmensjuristen stehen im Zentrum globaler Wertschöpfung und sind heute mehr als interne Berater: Sie steuern internationale Projekte, antizipieren regulatorische Entwicklungen und sichern Investitionen ab. Die Zusammenarbeit mit ausländischen Kanzleien ist Alltag. Entscheidend ist dabei das „Wie“.

7 Fragen an Jasmin Recktenwald

Persönlichkeiten, die als Unternehmensjuristin oder Unternehmensjurist arbeiten, erklären, was ihren Job für sie ausmacht. Jasmin Recktenwald sorgt dafür, dass auch komplizierte Großprojekte richtig gut funktionieren.

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